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Trump-Deal - Teil 2: Die Verhandlung

EIN ANGEBOT, DAS MAN NICHT ABLEHNEN KANN.

LUGGI DER LÜGNER BERICHTET

 

Die Verhandlungen begannen an einem Montag. Natürlich.
Große Dinge beginnen immer an einem Montag, wenn niemand so recht Lust darauf hat.

Washington hatte einen Termin angesetzt, Rom einen Kommentar vorbereitet und im Vinschger Oberland wusste man vorerst gar nichts davon. Das war vermutlich kein Fehler, sondern Tradition.

 

Trump eröffnete die Gespräche selbst. Er sprach von Chancen, von Geschichte, von einem „once in a lifetime deal“. Er sagte das Wort great auffallend oft und zeigte auf Satellitenbilder, auf denen das Vinschger Oberland aussah wie ein strategischer Fleck mit sehr guter Aussicht. Man müsse nur ein bisschen aufräumen, meinte er. Ein paar Regeln, ein paar Investitionen, ein bisschen Effizienz.

 

Trump kam nicht, um zu fragen. Er kam, um zu erklären, wie Zukunft funktioniert.

 

Er zeigte auf Schöneben. Dann auf Bergkastel. Zwei Skigebiete, ein Tal dazwischen – für ihn unlogisch.

Die Lösung kam sofort:
Eine Seilbahn. Von Bergstation zu Bergstation.
Direkt. Quer übers Tal.
„Iconic“, sagte er. Ein Projekt, das man aus dem All sehen könne.

 

Dann wurde es luxuriös. Ein 7-Sterne-Hotel, höher als alles bisher Dagewesene.
Mit Spielcasinos wie in Las Vegas. Lichter. Glanz. Chips statt Jetons.
Alpin, aber mit Dresscode.

 

Der Stausee? Weg. Zu viel Wasser, zu wenig Platz.
Trump versprach, die alte Landschaft wieder freizulegen – Grauner Wiesen, Reschensee, alles wie früher.
„Original. Historic. Very emotional.“

 

Der Turm bleibe - vielleicht ein wenig versetzt. Aber natürlich unter neuem Namen:
Trump Tower 2 – Peak of the World.

 

Und dann wurde es wissenschaftlich.
Hochalpine Labore. Für alles, was man noch nicht genau erklären kann.
Klima. Schnee. Höhenluft. Vielleicht auch Wahrheit. Innovation im Wind.

Alles ohne moralische Auflagen, that's nonsense.
Das Oberland werde das Silicon Alpen Valley. Viele qualified Arbeitsplätze - very important.

 

Dann der nächste Satz, etwas lauter:
Ein Flughafen im Oberland.
Eine Bobbahn.
Eine Eishalle für kommende Olympische Winterspiele.

Ein Golfplatz.
Das Oberland als Bühne der Welt.

 

Die Vinschgerbahn?
Natürlich unterirdisch. Direkt nach Landeck.
U-Bahn-Stationen in St. Valentin, Graun, Reschen, Nauders.
Fünfhundert Meter tief.

Internationaler Anschluss, globale Gäste, absolute Zukunft.

 

 

Bei Probebohrungen für die unterirdische Vinschgerbahn Richtung Landeck – fünfhundert Meter tief – seien zudem sprudelnde Thermalquellen entdeckt worden.

35 Grad. Ganzjährig. Also: Winterschwimmen im Reschensee.

 

Das Oberland, so erklärte er weiter, werde zur Zollfreizone.
Flat Tax. Minimal. Steuerlich so leicht, dass Superreiche aus aller Welt quasi von selbst kämen.
 

Und dann – fast beiläufig – das Angebot an die Einheimischen:
Eine Million Euro pro Person. Einmalig. Gleich ob alt oder jung. Jeder!
Für Zustimmung.
Für Loyalität.
Für die Zukunft.

 

Trump lächelte zufrieden.
Es war alles da.
Geld. Vision. Größe.

 

Die Oberländer hörten zu.
Nickten.
Rechneten nicht.

 

Und Luggi der Lügner, der schon lange auf der Leitplanke saß, zog die Augenbrauen hoch und sagte leise:
„Mir sein nit (nicht) gegen Zukunft.
Mir sein nur dagegen, dass sie uns nit (nicht) gehört.“

 

Da wurde es im Raum erstmals still.

 

Denn Effizienz ist hier ein sensibles Wort. Es bedeutet nämlich meistens, dass jemand glaubt, es besser zu wissen.

Rom hörte aufmerksam zu. Giorgia Meloni soll genickt haben, nicht zustimmend, eher italienisch. Dieses Nicken, das alles offen lässt und nichts verspricht. Sie fragte nach Garantien, nach Grenzen, nach Zuständigkeiten. Und ganz nebenbei, fast beiläufig, stellte sie klar, dass Pizza italienisch bleibt. Das sei nicht verhandelbar. Punkt.

 

Trump lächelte. Er lächelte oft, wenn er nicht verstand, warum etwas wichtig war.

 

Der Schützenhauptmann kam zu spät dazu. Absichtlich, wie Luggi meint. Er hörte eine Weile zu, stellte keine Fragen und sagte dann nur, dass man bei uns zuerst frühstücke, bevor man über Zukunft rede. Wer mitentscheiden wolle, solle sich dazusetzen.

 

Das Frühstück war der Wendepunkt.

Es gab Brot, Butter, Marmelade, Käse. Kein Buffet, keine Show. Einfach das, was da ist. Trump fragte, wo der Speck sei. Man sagte ihm, er komme, wenn er fertig sei. Wie alles hier. Das verstand er nicht. Er verstand auch nicht, warum niemand aufstand, um schneller zu sein.

 

Und dann fragte er, wer hier eigentlich entscheidet.

Die Antwort kam nicht sofort. Sie kam von mehreren Seiten gleichzeitig, widersprüchlich, leise, bestimmt. Mal der Schnee, mal das Wetter, mal die Mama, mal der, der’s halt macht. Für Protokollanten ein Albtraum. Für uns Alltag.

Trump wollte Zuständigkeiten. Zuständigkeiten wollten wir nicht. Rom wollte Ordnung, wir wollten Ruhe. Washington wollte Tempo, wir wollten zuerst noch einen Kaffee.

 

Luggi saß irgendwo dazwischen und wusste in diesem Moment: Das wird nichts.

Denn der Deal war sauber gerechnet, gut gemeint und völlig weltfremd. Man wollte uns kaufen, aber nicht verstehen. Man wollte Kontrolle, aber keine Geduld. Man wollte ein Stück Land, bekam aber ein Gefühl serviert – und damit konnte niemand etwas anfangen.

 

Am Ende sagte Trump, das sei komplizierter als gedacht. Meloni sagte, man werde das prüfen. Der Schützenhauptmann sagte gar nichts mehr, sondern stand auf.

 

 


 

Fortsetzung folgt:

Luggi hat zugehört. Zu gut vielleicht.

 

In Teil 3 erzählt er, was nach dem offiziellen Gespräch gesagt wurde – und warum ein Satz alles verändert.

Zum Glück gibt es bei uns im Reschnerhof in Reschen keine stundenlangen Sitzungen – weder für Deals noch fürs Frühstück. Wer Lust hat, genießt die Pizza, wer noch nicht will, schaut den Bergen zu. Genau das spüren auch unsere Gäste: kein Zwang, alles a la carte, jeder macht sein Ding. Jeder bestimmt selbst: das Tempo, die Stimmung und die Regeln – charmant, frech, unbestechlich.