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Luggi im Urlaub - und der Fehler, den er nie mehr machen wird.

Als Luggi am Meer saß und auf den Horizont starrte, wusste er plötzlich:

Er hatte etwas vergessen.

Nicht seinen Koffer.

Nicht seine Wollsocken.

Nicht einmal den Speck, den er vorsorglich für schlechte Zeiten eingepackt hatte.

Nein.

Es war etwas viel Schlimmeres.

Doch dazu später.

 

Zunächst muss man wissen, dass Luggi der Lügner Abstand brauchte.

Nicht von Reschen. Nicht vom Reschnerhof. Nicht von den Menschen.

Sondern von den Bergen.

"Ein echter Urtiroler muss gelegentlich in die Fremde", erklärte er. "Sonst weiß er gar nicht, wie sehr er die Heimat liebt."

Also zog er hinaus in die weite Welt.

Er sah fremde Städte, fremde Menschen und fremde Landschaften.

Alles war beeindruckend.

Zumindest behauptete er das.

In Wahrheit begann die Sehnsucht bereits am zweiten Tag.

Die Luft roch nicht nach Zirbe.

Der Wind sprach kein Tirolerisch.

Und die Berge...

Nun ja.

Was die Leute dort Berge nannten, hätte man in Reschen kaum als ernsthafte Bodenwelle anerkannt.

 

Nach einigen Tagen ertappte sich Luggi dabei, wie er einem Olivenbaum Geschichten vom Reschensee erzählte.

Eine Woche später diskutierte er mit einer Möwe darüber, warum die Weißkugel der schönste Berg der Welt sei.

Die Möwe widersprach.

Seitdem waren sie keine Freunde mehr.

 

Doch dann kam jener Sonntag.

Jener eine Sonntag.

Luggi saß gerade am Meer und biss gedankenverloren in eine Brezel, als ihn plötzlich ein Gedanke traf wie ein Schneeball im Hochsommer.

Er sprang auf.

Die Brezel fiel in den Sand.

"Bei allen Murmeltieren des Obervinschgaus!"

Die Leute erschraken.

Luggi wurde blass.

Dann noch blasser.

Dann erreichte er ungefähr die Farbe eines ungekochten Knödels.

 

Heute war Herz-Jesu-Sonntag.🔥🌋

 

Daheim brannten jetzt die Feuer auf den Bergen.

Familien blickten zu den Gipfeln hinauf.

Die Nacht würde leuchten.

Und Luggi?

Der saß zwischen Palmen und Möwen.

Hunderte Kilometer von seiner Heimat entfernt.

 

"Das darf doch nicht wahr sein!"

Sofort versuchte er, die Sache zu retten.

Er legte aus trockenen Blättern ein Herz auf eine Wiese.

Die Leute hielten ihn für einen Gärtner.

Er stellte Kerzen auf.

Die Leute hielten ihn für einen Romantiker.

Schließlich erklärte er lautstark, dass er persönlich die Herz-Jesu-Feuer erfunden habe.

Die Leute hielten ihn für verrückt.

Und ausnahmsweise lagen sie damit gar nicht so falsch.

 

Als die Sonne unterging, blickte Luggi nach Norden.

Dort irgendwo lagen seine Berge.

Dort pfiff der Wind über den Reschenpass.

Dort spiegelten sich die letzten Lichter in den Fenstern.

Und vielleicht glomm auf irgendeinem Gipfel gerade ein Herz aus Feuer.

Zum ersten Mal auf seiner Reise wurde Luggi still.

Sehr still.

Fast verdächtig still.

Denn plötzlich verstand er etwas:

 

Ein Urtiroler kann bis ans Ende der Welt reisen.

Er kann Meere sehen, Wüsten durchqueren und fremde Länder entdecken.

Aber ein Teil seines Herzens bleibt immer dort, wo die Berge beginnen.

 

Am nächsten Morgen saß Luggi bereits im ersten Zug Richtung Heimat.

"Die Leute vermissen mich bestimmt schrecklich", murmelte er.

Was natürlich gelogen war.

Denn niemand hatte bemerkt, dass er weg gewesen war.

Außer vielleicht der Wind am Reschenpass.

Der pfiff seit Tagen ein wenig trauriger als sonst.

Zumindest erzählt Luggi das bis heute.

Und wie man ihn kennt, stimmt vermutlich kein einziges Wort davon. 😉🏔️🔥

 

Luggi behauptet übrigens, die Herz-Jesu-Feuer seien so hell, dass man sie bis ans Meer sehen könne.

Das stimmt natürlich nicht.

Aber ihr Ursprung ist tatsächlich über 200 Jahre alt. Seit dem Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnis von 1796 werden auf vielen Bergen Feuer entzündet, die bis heute zu den eindrucksvollsten Traditionen Tirols gehören. 🔥🏔️

 

🔥 Herz-Jesu-Feuer am Reschenpass

Die Herz-Jesu-Feuer finden jedes Jahr am Herz-Jesu-Sonntag statt, meist im Juni (am dritten Sonntag nach Pfingsten). Sobald die Dunkelheit einbricht, leuchten auf vielen Berggipfeln Tirols Kreuze, Herzen und andere Symbole aus Feuer. Ein beeindruckendes Schauspiel, das seit Generationen gepflegt wird.

Rund um Reschen bieten die umliegenden Berge eine besonders eindrucksvolle Kulisse für dieses alte Tiroler Brauchtum. Wer zur richtigen Zeit hier ist, erlebt eine Nacht, die man so schnell nicht vergisst.

Und falls Luggi der Lügner recht hat, sieht man die Feuer sogar bis ans Meer.

Wir vom Reschnerhof bevorzugen allerdings die Version, sie direkt vor unserer Haustür zu bestaunen. 🏔️🔥